Nathan der Weise

23.10.2018 | 20:00 | Rinteln, Brückentorsaal

Jerusalem, zur Zeit der Kreuzzüge: Vor den Toren stehen die christlichen Tempelritter, um die Stadt zu erobern. Dennoch hat der Herrscher, Sultan Saladin, einen von ihnen begnadigt. Dieser junge Tempelherr darf sich in der Stadt frei bewegen und wird Zeuge eines Hausbrandes. Er rettet Recha, die Tochter des jüdischen Kaufmanns Nathan, aus den Flammen. Doch dann weist er barsch alle Annäherungsversuche Rechas ab, die für ihren Retter schwärmt, ihn vielleicht sogar liebt. Zur gleichen Zeit bittet der Sultan Nathan zu sich, denn seine Kriegskasse ist leer und er will den reichen Kaufmann unter Druck setzen, ihm Geld zu leihen. Also stellt er Nathan eine gefährliche Fangfrage: Welche der drei Weltreligionen die wahre sei, die christliche, die jüdische oder die muslimische? Nathan antwortet mit einem Gleichnis, das statt religiöser Dogmen die gelebte Menschlichkeit in den Mittelpunkt stellt.

Durch dieses Gleichnis, die „Ringparabel“, ist NATHAN DER WEISE berühmt geworden. Bis heute Schullektüre (z. B. für das Niedersächsische Zentralabitur 2019), war schon für Lessing sein Stück ein Manifest für den Humanismus der Aufklärung. Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Lage in Deutschland gewinnt dieser Klassiker wieder an Kraft: Die einen predigen Toleranz, die nächsten bestehen darauf, dass wir als Gesellschaft zuallererst die Grenzen unserer Toleranz diskutieren müssen, während die dritten blind drauflos schlagen. Um Religion geht es dabei wohl am wenigsten. NATHAN DER WEISE erinnert daran, dass Verständigung über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg möglich ist.